Der Naturkindergarten unterliegt den Vorgaben des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans und wird regelmäßig von Jugendamt und Gesundheitsamt kontrolliert, wie Hauskindergärten auch.

Dennoch gibt es einige Besonderheiten im Konzept.

Natur als Bildungsort

Das Kind erkundet mit all seinen Sinnen seine Umwelt. Es braucht phantasie- und kreativitätsanregendes Spielmaterial, um Entwicklungsprozesse in Gang zu bekommen. Die vielfältigen Naturmaterialien in unterschiedlichen Formen, Größe, Gewicht und Farbe bieten jede Menge Möglichkeiten, kreativ zu werden. Sie werden gesammelt und sortiert, verändert, verbunden, auseinandergenommen, angemalt, beschrieben, miteinander verglichen, gezählt und aufgeteilt. So dienen sie der Motorik, dem Spracherwerb und dem Grundverständnis von Mathematik – und dem Spaß, den man für jedes Lernen braucht.

Feuer, Wasser, Erde, Luft

Im direkten Erleben und Auseinandersetzung lernt das Kind die vier Elemente kennen. So erfährt es, dass das gesammelte Regenwasser im Kindergarten nicht nur zum Spielen, sondern auch für die Pflanzen in unserem Garten ist und im Sommer auch mal knapp werden kann.

Im Kindergarten lernen die Kinder den achtsamen Umgang mit Streichhölzern und Feuer. An jedem Tag darf im Morgenkreis ein Kind die Kerze anzünden und wenn der Ofen im Bauwagen beheizt wird, dürfen die Kinder bei Interesse beim Anzünden helfen.

Erde, Sand und Wasser lassen sich vielfältig vermischen und einsetzen, Wasser und Kälte ergeben wunderbare Eisbilder und die Luft ist nicht nur bei Seifenblasen immer dabei.

Ökologisches Verantwortungsgefühl entwickeln

Das Kind lernt durch seine tägliche Begegnung mit der Natur viele Pflanzen und Tiere und ihre Besonderheiten kennen. Durch unsere Regeln und naturbezogene Projekte entwickelt das Kind ganz spielerisch nebenbei ein Verantwortungsgefühl für seine Umwelt. Es lernt die Natur zu schützen, zu bewahren und sich in der Gruppe gemeinsam für die Interessen der Natur einzusetzen.

Der Kreislauf des Lebens mit Geburt und Tod wird direkt erlebbar, ebenso wie die Entstehung der Pflanzen aus Samen und die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling.

Sprachentwicklung

„Im Spiel wäre der Stein jetzt ein Flugzeug und …“ Wenn das Spielzeug nicht vorgefertigt ist, muss man sich mit seinen Mitspielern besprechen, auch mal ausdiskutieren, abstimmen, Kompromisse finden.

In der Natur finden sich viele Besonderheiten, die Kinder aus ihrem Alltag nicht kennen. So lernen sie jeden Tag nicht nur neue Fakten, sondern auch viele neue Wörter (Begriffe aus dem Forst und der Landwirtschaft, Namen von Pflanzen und Tieren) und vielleicht sogar einiges, was sie ihren Eltern noch beibringen können!

Bewegung und Körperbewusstsein

Unsere Umgebung bietet jede Menge Anreize zum Rennen, Hüpfen, Klettern, Anschleichen, Balancieren, Kriechen und Kullern. Das Kind kann hier seinem natürlichen Bewegungsdrang ungehindert nachkommen und sorgt so selbst für ein positives Körperbewusstsein. Die Motorik und der Gleichgewichtssinn werden geschult und Haltungsschäden und Übergewicht werden vorgebeugt. Aggressionen werden abgebaut und das Selbstbewusstsein wächst mit jeder gemeisterten Herausforderung.

(Und ja, die Kinder üben auch mal stillzusitzen, zum Beispiel im Morgen- und Abschlusskreis.)

Gesunde Ernährung

Auf unserer Streuobstwiese, im selbstbepflanzten Hochbeet und auf den Äckern außenrum erleben die Kinder ganz direkt, wie unser Essen wächst. In der „Kinderküche“ bereiten sie es selbst zu und probieren dann auch mal Sachen, die sie zuhause ablehnen würden.

Zentraler Teil des Konzepts ist der „zuckerfreie Vormittag“. Die Eltern geben für Frühstück und Mittagssnack gesunde Lebensmittel mit sowie Wasser oder ungesüßten Tee mit. Ausnahmen bei Geburtstagen und sonstigen Feiern sind natürlich erlaubt.

Malen, Basteln, Schneiden, …

… findet auch im Naturkindergarten statt. Im Bauwagen stehen jederzeit Stifte und Papier zur Verfügung und es wird auch häufig unter pädagogischer Anleitung gebastelt. Es können also auch alle Naturkinder sicher mit der Schere umgehen wenn sie in die Schule kommen – und darüber hinaus mit Hammer, Säge und Schnitzmesser.

Vorschule

Wir kooperieren mit den umliegenden Grundschulen, um einen guten Übergang zur Schule zu erreichen.

Mitte November startet für die Großen die Vorschule. Einmal wöchentlich ziehen sie sich in den Bauwagen zurück und üben Stifthaltung, Mengenverständnis, Reimen, Falttechniken, Anlautspiele, Geschichten nacherzählen, und vieles mehr. Wichtig ist außerdem, dass die Kinder lernen, Arbeitsaufträge zügig auszuführen, bei Bedarf nachzufragen und auch mal abzuwarten, wenn jemand anderes dran ist.